
5.30 Uhr morgens, sonntags

Letzten Samstag haben wir Olivers 4. Geburtstag mit 4 sorgfältig ausgewählten Kindern gefeiert.
Wie Kinder ihre Gäste auswählen, ist mir ein Rätsel, aber daß es etwas mit Macht zu
tun hat, habe ich mittlerweile begriffen. Meine absoluten Lieblingskinder waren leider im Urlaub.
Brave Buben, die sogar fragen, ob sie auf die Toilette dürfen, keine bösen Worte benutzen und
scheinbar alles mögen, was man ihnen auf den Teller legt.
Die Ersatz-Gäste waren aber auch Zucker (
für den Fall, daß ihre Eltern hier mitlesen ...).
Ich machte 4 verschiedene Kuchen, dennoch gelang es mir, den Geschmack von 2 Kindern dabei zu verfehlen.
Kindergeburtstage sind schlicht gesagt
das Grauen. Es ist entwürdigend, zwingt Eltern in
erniedrigende Rollen, einerseits super euphorisch alles zu bejubeln und andererseits regelrecht zur Teilnahme
an
lustigen Spielen zu betteln.
Anders als sonst darf man die Kinder nicht einfach in den Garten scheuchen, sondern muß den Entertainer
geben und ...
Breiten wir die Decke des Schweigens darüber. Wenn ich meine Kinder von anderen Kindergeburtstagen
abhole, sehe ich am verlöschenden Flackern in den Augen der Gastgeber-Eltern, daß es ihnen nicht
besser ergeht.
Aber abends, wenn man die Kinder wieder sauber hat, sie ein- oder zweimal gekotzt haben und dann endlich
einschlafen; wenn man die Puddingreste vom Kronleuchter gekratzt, den Nagellack aus dem Katzenfell geschnitten
und die Kaugummis aus den Fugen gepuhlt hat, dann weiß man, daß man es geschafft hat.
Vor uns liegen 6 Monate (12 bei Einzelkindereltern) himmlischer Ruhe. Die Weingläser klirren leise,
der Mond strahlt -
alles wird gut.
Weil der Tag so aufregend war, schlafen die Kinder am nächsten Morgen sicher länger ...
Mama, was ist da drin?, dringt das sanfte Stimmchen meines Strahlemännchens an mein Ohr.
2 cm vor meinen Augen umschliesst seine kleine Faust ein rotes Döschen.
Ich liege in meiner allerbesten und allerteuersten Seiden-Bettwäsche (danke, Papi!) und erkenne
mit der Erfahrung aller Mütter eine
Kauf-mich-Verarsche, wie sie mittlerweile jeder
Cornflakes- oder Kekspackung zugefügt wird. Döschen, in denen eine scheussliche Plastikfigur
steckt, auf die ich vermutlich irgendwann morgens um 4 Uhr in einem der Kinderzimmer treten werde ...
barfuß, versteht sich.
Aber wenn ich das Döschen jetzt öffne, geht mein Sohn wieder und ich kann weiterschlafen!
Ich schraube also mit einem Griff das Döschen auf und Überraschung!
Oliver hat Plaka-Farben geschenkt bekommen ...
Das war unfair!
Und es war 5.30 Uhr morgens, sonntags ...
Um 6 Uhr war ich wieder im Bett - allerbeste Baumwollbettwäsche mit kleinen Autos drauf. Oliver
brauchte seine Bettdecke an dem Morgen eh nicht mehr ... und das Knallrot macht sich hervorragend
zwischen all den Azurfarben ... - ok, wie bekommt man Plaka-Farbe aus Seide???