Seit 1968, als die erste erfolgreiche Knochenmarktransplantation durchgeführt wurde, hat sich diese Behandlungsmethode für Leukämien und verschiedene andere
Bluterkrankungen stark weiterentwickelt. Dennoch stellt sie nach wie vor für Spender, Empfänger und ihre Familien einen tiefgreifenden Einschnitt dar und ist für Patienten häufig
die letzte Hoffnung auf Genesung.
In Deutschland erkranken jährlich ca. 4000 Erwachsene und Kinder an Leukämie. Für ein Drittel dieser Patienten stellt die Knochenmarktransplantation
die einzige und letzte Chance dar, für längere Zeit zu überleben. Leukämie ("Blutkrebs") ist eine bösartige Erkrankung der weißen
Blutkörperchen, die vom Knochenmark (nicht Rückenmark) ausgeht.
Eine wesentliche Voraussetzung für die Durchführung einer Knochenmarktransplantation ist es, einen gewebeverträglichen
Knochenmarkspender zu finden. Da für über 40% der Patienten derzeit kein passender Spender vorhanden ist, muß die DKMS
Deutsche Knochenmarkspenderdatei weiter mit freiwilligen Spendern ausgebaut werden, um die Chance zu erhöhen, für möglichst viele
Patienten innerhalb kurzer Zeit einen Spender vermitteln zu können.
Wer kann Knochenmarkspender werden?
Wie häufig kommt es vor, daß ein Spender, der mit dem Patienten nicht verwandt ist, gewebeverträgliches Knochenmark spenden kann?
Wie kann dem Patienten geholfen werden, wenn kein passender Spender gefunden wird?
Wie geht es weiter, wenn ein passender Spender gefunden wurde?
Kann ein Spender die Zustimmung zu einer Spende verweigern?
Welche Risiken bestehen für den Spender?
Wann wird der Spender ins Krankenhaus aufgenommen und wie lange bleibt er dort?
Wie wird das Knochenmark entnommen?
Wie lange dauert die Gesamtgenesungszeit nach der Knochenmarkspende?
Was ist der erste Schritt, um Knochenmarkspender zu werden?
Wie wahrscheinlich ist eine Aufforderung zur Knochenmarkspende?
Wer kommt für die Kosten auf, die dem Spender entstehen?
Kann ein Spender mit dem Empfänger seines Knochenmarks Kontakt aufnehmen?
Wie hoch sinde die Heilungschancen durch eine Knochenmarktransplantation?
Wer kann Knochenmarkspender werden?
Um Knochenmarkspender werden zu können, sind nur wenige Vorbedingungen zu erfüllen.
Dazu ghört ein bestimmtes Alter (zwischen 18 und 55 Jahren) und ein guter gesundheitlicher Allgemeinzustand, d.h. es sollten keine
schweren Erkrankungen vorliegen, und frühere Leberentzündungen müssen sicher ausgeheilt sein, ausserdem sollte der Spender
nicht mehr als 20% Übergewicht haben.
Wie häufig kommt es vor, daß ein Spender, der mit dem Patienten nicht verwandt ist, gewebeverträgliches Knochenmark spenden kann?
Im allgemeinen kommt es recht selten vor, daß zwei nichtverwandte Personen den gleichen Gewebetyp haben. Die Wahrscheinlichkeit
liegt aufgrund der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der Gewebemerkmale zwischen 1 :30.000 bis 1 : 1 Million.
Wie kann dem Patienten geholfen werden, wenn kein passender Spender gefunden wird?
In diesem Fall muß versucht werden, dem Patienten durch andere Behandlungsformen zu helfen. Dies können je nach der
Grunderkrankung vor allem Strahlentherapie und Chemotherapie sein. Die Heilungschance ist in einem solchen Fall
jedoch weitaus geringer als nach einer Knochenmarktransplantation. Bei vielen Erkrankungen ist eine Heilung ohne Knochenmarktransplantation unmöglich.
Wie geht es weiter, wenn ein passender Spender gefunden wurde?
Wenn entsprechende Laboruntersuchungen des Blutes von Spender und Patient gezeigt haben, daß übereinstimmende Gewebemerkmale vorliegen,
dann liegt es an dem Spender, sich festzulegen, ob er tatsächlich für den Patienten als Spender zur Verfügung stehen will. Für einen Spender besteht zu diesem
zeitpunkt noch keine bindende Verpflichtung. Hat er diese Zusage aber erteilt und wurde beim Patienten die Vorbereitungsphase für die
Knochenmarktransplantation begonnen, so ist ein Rücktritt von dieser Zusage nicht mehr möglich, da der Patient das
Knochenmark des Spenders dann lebensnotwendig benötigt.
Kann ein Spender die Zustimmung zu einer Spende verweigern?
Die Entscheidung, eine Knochenmarktransplantation durchzuführen, ist für alle Beteiligten schwer. Ein Spender, der die passenden
Gewebemerkmale eines Patienten aufweist, kann sich aus vielen Gründen dagegen entscheiden, tatsächlich Knochenmark zu spenden.
Gründe können Krankheit, die Risiken des Eingriffs oder einfach Angst sein. Jede persönliche Entscheidung, die ein Spender trifft,
wird respektiert.
Welche Risiken bestehen für den Spender?
Vor der Knochenmarkentnahme wird der Spender gründlich untersucht. Das bedeutet allerdings noch nicht, daß jegliche Risiken ausgeschlossen
werden könne. Da die Entnahme des Knochenmarks ein schmerzhafter Eingriff ist, ist eine Narkose (Allgemeinnarkose) notwendig.
In seltenen Fällen kann es hierbei zu schwerwiegenden Komplikationen kommen (das Risiko für eie lebensgefährliche Komplikation
bei einer narkose wird von Ärzten mit 1 : 50.000 angegeben). Da zwei kleine Schnitte oder Einstiche gemacht werden müssen,
um das Knochenmark zu entnehmen, gibt es außerdem die Möglichkeit von Infektionen. nach dem Eingriff können Übelkeit aufgrund
der Narkose und Wundschmerzen auftreten.
Vor der Knochenmarkentnahme wird der Spender nochmals vom behandelnden Arzt über die möglichen Risiken aufgeklärt.
Wann wird der Spender ins Krankenhaus aufgenommen und wie lange bleibt er dort?
In der Regel wird der Spender einen Tag vor dem Eingriff in das Krankenhaus aufgenommen. Wegen der möglichen Nachwirkungen
der Narkose und zur Versorgung der Entnahmestellen bleiben die Spender gewöhnlich die folgende Nacht im Krankenhaus.
Am darauffolgenden Tag werden sie in der Regel nach Hause entlassen.
Wie wird das Knochenmark entnommen?
Das Knochenmark wird in Narkose aus dem hinteren Beckenknochen entnommen. Im allgemeinen genügen zwei kleine Schnitte oder
Einstiche der Haut im Bereich des Beckenknochens. Diese kleinen Schnitte werden mit wenigen Stichen genäht, damit sie rasch verheilen.
Durch die Schnitte wird mit einer Nadel und Spritze das benötigte Knochenmark herausgezogen. Der ganze Eingriff dauert
etwa 60 Minuten. Es wird dabei höchstens 1,5 Liter Knochenmark-Blutgemisch entnommen. Dies ist nur ein geringer Anteil des
gesamten Körperknochenmarks. Schon nach ca. zwei Wochen ist das entnommene Knochenmark vom Körper wieder ersetzt worden.
Wie lange dauert die Gesamtgenesungszeit nach der Knochenmarkspende?
Diese kann unterschiedlich lang sein. Manche Spender sind schon nach einem oder zwei Tagen wiederhergestellt, andere benötigen
einige Tage bis zu einer Woche Erholung.
Was ist der erste Schritt, um Knochenmarkspender zu werden?
Zunächst soll mit der Deutschen Knochenmarkspenderkartei Kontakt aufgenommen werden.